Wege zum Energiemanagement  

Der Letzte macht das Licht aus

Seit dem Klimagipfel in Paris ist Energiemanagement ein Reizwort, viel genutzt und wenig verstanden. Wir wollten wissen, was ist das, wer ist dafür verantwortlich, wo gibt es gute Anwendungsbeispiele, was sagen Experten? Ein Einstieg in ein neues Denken.

Klima und Energie. Der Gipfel und die Ebene.

„Treffen sich zwei Planeten. Fragt der erste: Und wie geht’s? Sagt der zweite: Ganz schlecht, ich habe homo sapiens. Darauf der andere: Macht nichts, das geht vorüber.“ Damit dieser Witz nicht Realität wird, trafen sich im Dezember letzten Jahres 193 Staaten und unzählige NGOs zum 21. Klimagipfel in Paris. Erstmals seit dem Kyoto-Protokoll von 2005 wurden verbindliche Ziele festgelegt, beispielsweise das berühmte 2-Grad-Ziel. Es besagt, dass die Erderwärmung nicht mehr als zwei Grad betragen darf, um die Polarkappen nicht weiter abschmelzen zu lassen. 

Die Politiker wollen den sich rasch ausbreitenden Klimawandel wieder in den Griff bekommen, und der Hauptverursacher sind Industrie und Verkehr, genau genommen alle Energieverbraucher in Europa und den USA, aber auch in China und Indien. Ökologische Nachhaltigkeit wurde als das 7. Millenniumziel 2015 in New York bestätigt.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Begriff Energiemanagement eine ganz neue Bedeutung, spricht er doch Regierungen, Unternehmen und Verbraucher in gleicher Weise an. Weil alle etwas tun können, man das große Ziel aber nur gemeinsam erreichen kann. Zum Beispiel durch die sogenannte 2.000-Watt-Gesellschaft. Würde jeder Erdenbürger täglich 2.000 Watt verbrauchen, könnte das die Gesellschaft stemmen, aber der durchschnittliche New Yorker verbraucht 13.600 Watt, der Gabuner nur 300 Watt. Und von 7 Milliarden Menschen Weltbevölkerung werden wir uns bis 2100 auf über 12 Milliarden entwickelt haben. Schöne neue Welt?

Die große Politik der ganz kleinen Schritte

Der Energie-Manager David Muggli stellt der Politik ein ganz schlechtes Zeugnis aus: „Von der Energiewende sind höchstens 30 % umgesetzt, gelinde gesagt eine Katastrophe.“ Seit der 1. Klimakonferenz 1995 in Berlin hatten die Zauderer und Zögerer das Sagen, es wurden nur Verfahrensfragen geklärt, keine verbindlichen Ziele definiert. Nach Kyoto hatten die Teilnehmer noch große Hoffnungen, nach Paris 2015 geringe Erwartungen. Ein Big Player wie die USA hat als einziger Industriestaat Kyoto nie ratifiziert. Dabei sind auf den Konferenzen jährlich zwischen 10.000 und 20.000 Teilnehmer akkreditiert, aber die wahren Treiber sind nicht die Regierungen, die allein beschließen können, sondern die NGOs wie WWF, Greenpeace oder German Watch. Hinter vorgehaltener Hand sagt mancher Politiker, Sting hätte in den vergangenen 25 Jahren mit seiner Rainforest Foundation mehr für das Klima getan als die meisten Staaten.

 

Sommer. Sonne. Solarkrise.

Ein gutes Beispiel für die missliche Energiepolitik ist die anhaltende Solarkrise. Obwohl Angela Merkel die Energiewende zur Chefsache machte, wurde kein Konzept daraus. Die Installation von Solaranlagen wurde zwar zeitweise mit über 7 Milliarden Euro im Jahr gefördert, trotzdem gingen große deutsche Hersteller in die Insolvenz, weil Billig-Module aus China das Rennen machten. Dennoch produziert ein sonnenarmes Land wie Deutschland mehr Solarstrom als Italien. Aber hierzulande fehlt es dann wieder am Netzausbau, es fehlen zig Tausende Kilometer an Verteilnetzen. Das ist wie Planwirtschaft ohne Plan. Und die Zeche zahlt der Bürger mit seinen Steuern, denn nur Privathaushalte zahlen eine Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, von der große energieintensive Unternehmen befreit sind. Für diese Unternehmen sind die Strompreise zweistellig gefallen, für die Verbraucher einstellig gestiegen. Eine faire Energiewende sieht anders aus.

 

Wendepunkt oder wunder Punkt?

Die Industrie spielt eine ganz besondere Rolle im Energiemanagement. So haben wir in Deutschland die marktwirtschaftlich bedenkliche Situation, dass sich ein bekanntes Oligopol 80 % des Strommarktes aufteilt, die großen Vier sind RWE, E.on, Vattenfall und EnBW. Diese Anbieter sind gleichzeitig im Besitz der Kohle- und Atomkraftwerke, was die Wende so schwierig macht. Sie haben an der Strombörse das Sagen, sie sind im Besitz vieler Netze, sie sind die Energie-Dinosaurier, riesig, aber schwer beweglich. Für alle anderen Unternehmen ist Energie ein Kostenfaktor, den sie mit Management-Methoden zu reduzieren versuchen. Die Basis dafür bilden vier Instrumente: ein detailliertes Monitoring, technische Maßnahmen, interdisziplinäres Denken und engagierte Mitarbeiter. Die Eaton Germany GmbH leistet sich einen eigenen Energiemanager, Pascal Rieck berichtet: „Wir haben frühzeitig begonnen, Messstellen im gesamten Werk zu integrieren, die es uns erlauben, einzelne Maschinen, Transformatoren, Fertigungslinien und Beleuchtungseinrichtungen zu überwachen. Mit heute 128 Messpunkten, die alle 15 Minuten Daten an unseren Leitstand senden, sind wir gut aufgestellt, um unseren Energieverbrauch transparent zu machen und kontinuierlich weiter zu optimieren.“ Eine ganz wesentliche Hilfe für Unternehmen ist seit 2011 die ISO 50001. Sie ist ein bewährter Rahmen, um aus Energiekennzahlen eine Erfassung und Analyse des Status quo zu gewinnen und diesen prozessual zu optimieren. Ziel des Energiemanagements ist dann, dauerhaft effizienter zu produzieren, davon wirtschaftlich zu profitieren und gleichzeitig Umwelt und Klima zu entlasten.

Die gelbe Post ganz grün

Allein die Logistik-Branche verursacht weltweit mehr als 14 % aller CO2-Emissionen. Das war ein hinreichender Grund für den Weltmarktführer Deutsche Post DHL ein klares Zeichen zu setzen. Mit dem Umweltkonzept GoGreen, mit dem Versuchsballon der Elekroantriebe für Auslieferungsfahrzeuge und mit ihrem Hauptquartier, dem Post Tower, wollten die Bonner ein weithin sichtbares Zeichen setzen. 2.000 Menschen aus rund 60 Nationen arbeiten in dem 162,5 Meter hohen Doppelturm, der vor über zehn Jahren geplant, gegen den Willen vieler Bonner in nur zwei Jahren erbaut wurde und gerade den „10 Year Award“ des Council on Tall Buildings and Urban Habit gewonnen hat. Die Begründung: „Der Post Tower hat unsere Sichtweise auf nachhaltige Hochhaus-Typologie verändert. Er ist eine beispielhafte, nachhaltige Ikone der zeitgenössischen Architektur.“ Der Post Tower ist gebaute Eleganz des Deutsch-Amerikaners Helmut Jahn. 41 Meter breit und 82 Meter lang streben zwei Glas-Ellipsen filigran und schlank in den Bonner Himmel. 40 Etagen bieten lichtdurchflutete Räume, jedes neunte Geschoss bietet als Rückzugsmöglichkeit einen sogenannten Skygarten. Gebäudetechnik und Ökologie waren für Jahn von vehementer Wichtigkeit. Und warum verbraucht der Post-Tower 30 % weniger Energie als vergleichbare Gebäude?

Die geniale Idee ist eine Doppelhülle aus Glas. Der Wind der Rheinaue strömt stetig Frischluft durch die Lüftungsklappen der Außenhaut. Die wird je nach Temperatur angepasst und weitergeleitet. Jahn sagte einmal: „Der Tower atmet im Wind.“ Eine weitere Spezialität der Klimatechnik sind Rohrschlangen, hier wird kühles Wasser aus dem nahen Rhein eingepumpt, das nach 210 Kilometern durch das Gebäude den Rheinauensee bewässert. Ein ganz natürlicher Kreislauf, auf eine Klimaanlage konnte hier verzichtet werden. Die Bürobeleuchtung wird durch Bewegungssensoren gesteuert, selbst die Reibung beim Bremsen der Fahrstühle wird als Energie genutzt. Zu einem so bewussten Logistikunternehmen passt dann auch die Riesen-Statue von Markus Lüpertz, die den Götterboten Mercurius direkt vor dem Eingang postiert.

Die Konsumenten an die Macht

Die Vorstellung vom mündigen Konsumenten, der Verantwortung übernimmt für die Umwelt, ist bis heute eine Chimäre, die von Politikern und Herstellern bemüht wird, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Wozu bräuchte es Plastiktütenverbot und Dosenpfand, wenn die Verbraucher Verantwortung leben würden? Es gibt Menschen wie Tanja Oldach, eine 41-jährige Kölner Graphikerin, die ihre Wohnung energetisch saniert hat, ihr Auto verkauft hat und bei einem Carsharing-Anbieter Mitglied geworden ist. Aber es handelt sich um eine kleine Minderheit, die zwar im Wachstum begriffen ist, aber auch nur in den reichen Industrieländern. In Russland und China ebenso wie in den Schwellenländern ist der Konsum, gerade von energieintensiven Konsumgütern, immer noch eine Sache von Lifestyle und Status. Und das wird auf absehbare Zeit so bleiben.

Leisten Sie sich doch ein Chamäleon

Wer jetzt aktives Energiemanagement leben will, hat in Son Vida auf Mallorca die Chance dazu. Die Villa Chameleon ist ein Wurf für Puristen, die gerade 50 Millionen investieren wollen. Dafür erwerben Sie ein Haus, das nicht nur dem Käufer ganz neue Lebensenergie vermittelt. Es ist selbst energetisch auf dem neuesten Stand: Zwei Wärmepumpen, 22 Tiefenbohrungen für geothermische Energiegewinnung und 45 Quadratmeter Solarkollektoren machen fast unabhängig von Strom und Gas. Die großzügige Fußbodenheizung hat eine Einzelraumschaltung, Verschattungsanlagen schützen vor zu viel Sonne, die ganze Haustechnik kann nach Belieben mit einem Touchpanel, einem Tabletcomputer oder dem Smartphone gesteuert werden. Von jedem Punkt der Welt aus.

Das geht so weit, dass eine eigene Fehlerdiagnostik dem Facility Manager meldet, wenn die Chlorierung des Pools aussetzt oder nur ein Leuchtmittel defekt ist. Übrigens heißt das Haus Chamäleon, weil man hunderte LEDs farblich so steuern kann, dass man ganz unterschiedliche Farbstimmungen zaubert. Sichtbar bis zum Hafen von Palma. Wie sagte doch Niki Lauda so treffend: „Es ist verdammt schwierig, wirklich perfekt zu sein, aber einer muss es schließlich sein.“

Happy End oder Final Countdown?

Alle Fortschrittsgläubigen setzen auf die Dynamik einer Branche, die bisher eher behäbig war. Sie verweisen auf die Massenängste vor der ersten Eisenbahn, vor dem friedlichen Nutzen der Atomenergie und sie merken an, dass alle düsteren Prophezeiungen des Club of Rome von 1972 nicht eingetroffen sind. Trotzdem wird es Grenzen des Wachstums geben, dennoch müssen wir uns in Energiefragen umorientieren, heute nach den Lösungen von morgen suchen, statt auf ein „Weiter so“ zu hoffen. Es trifft zu, wie Ban Ki-moon, der UN-Generalsekretär, die Situation beschreibt: „Es gibt keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt.“

emcogroup

Unter der Kommunikationsklammer „Gebäude und Atmosphäre“ bietet die emco Group Architekten, Planern und Investoren ein umfangreiches Produktportfolio, das seinen Beitrag zur individuellen Atmosphäre jedes Gebäudes beiträgt, sowie maßgeschneiderte Beratung. Kontaktieren Sie unsere Projektberatung - wir helfen gerne weiter!